Top 5: Klimafreundlicher Trinken

Top 5: Klimafreundlicher trinken

CO2- und Geldsparen in der Küche 

In deiner WG steht ein 5-l-Kanister Apfelsaft. Kanister stimmt nicht ganz. Außen Karton, innen ein Schlauch, der sich zusammenzieht, sobald ihr zapft. Das System nennt sich Bag-in-Box. Deine Mitbewohner*innen lieben den Bag-in-Box-Apfelsaft. Sie assoziieren regionale hügelige Apfelwiesen und eine ökologisch wertvolle Verwendung für Streuobst. Mmmmmh!

1. Wein: Bag-in-Box vs. Glasflasche

Zum gemeinsamen Abendessen trinkt ihr Rotwein – aus der Flasche. „Gibt’s eigentlich keinen guten Wein in Bad-in-Box?“, fragt Hannah in die Runde. Am Tisch herrscht Skepsis. „Wein und Glasflasche gehören für mich untrennbar zusammen. Je schwerer die Flasche, desto höher die Qualität“, antwortet Cem.

Am nächsten Abend hat Sabrina eine Flasche Primitivo besorgt. Als die Flasche leer ist, zaubert Sabrina eure Gläser weiter voll. Ihr merkt erst später, dass sie keine neue Flasche geöffnet hat. Sie zapft den gleichen Primitivo aus einer Bag-in-Box. Geschmacklich kein Unterschied. Sehr lecker! 

Sabrina schmeißt ein paar Zahlen in die Runde: „Eine übliche Wein-Glasflasche wiegt 533 g. Bei der Herstellung der Glasflasche fallen 0,4 kg CO2 an, bei der Herstellung von Bag-in-Box-Systemen nur etwa ein Zehntel.“
„Krass“
, entfährt es Cem. „Wie hoch ist der Anteil der Glasflasche an den Gesamt-Emissionen von Wein“, überlegt Hannah laut. „50 %! Die Produktion der Glasflasche verursacht im gesamten Herstellungsprozess des Weines – vom Anbau bis zur Abfüllung – knapp 50 % der CO2-Emissionen“, antwortet Hannah. 
„Ab jetzt nur noch Bag-in-Box“, sagt Cem. „Doch lasst uns mal schauen, was regionale Winzer für Bag-in-Box-Weine im Angebot haben.“ 

Die WG ist begeistert. Nicht zuletzt reduziert sich der Müll erheblich: Die 5-l-Bag-in-Box Verpackung besteht aus einem Karton und einem faustgroßem Schlauchsystem, das in der gelben Tonne entsorgt werden kann. Entsprechend müsste die WG sechs Glasflaschen entsorgen. Und preislich? Der Primitivo kostet in der 0,75 l Flasche 7,10 Euro (9,47 € pro Liter), in der 5 l Bag in Box 28,50 € (5,70 € pro Liter). 

2. Wasser: Es kann nur eines geben

Einweg-Flaschen sind immer die schlechteste Lösung. Bei PET-Flaschen – das sind die Einweg-Plastik-Flaschen, für die ihr 25 Cent Pfand hinterlegt – ist das Recycling energieintensiv. Gleiches gilt für das Recyling von Glas  – hohe Temperaturen kommen zum Einsatz. Mehrweg hat eine viel bessere Klima-Bilanz. Die geht schon in Richtung Bag-in-Box.

Aber: Es ist ein Irrsinn, Wasser über längere Strecken zu transportieren. Daher ist es bei Wasser ganz einfach: Frisch gezapft aus dem Hahn ist es immer am besten. Die Qualität passt und sprudeln geht auch zu Hause. 

Mineralwasser aus Flaschen ist circa 100 Mal teurer und die Klimabelastung fast 600 Mal höher als bei Leitungswasser (bezogen auf Mineralwasser in Einwegflaschen in Deutschland).

3. Bier: Der Vorrat macht’s 

Regionales Bier in der Pfandflasche an einem lauen Sommerabend mit den Mitbewohner*innen auf dem WG-Balkon. Wie schön! Hannah reißt den Kühlschrank auf und blickt entsetzt in gähnende Leere. Sabrina springt auf, zückt ihren Autoschlüssel und fährt zum Getränkehändler. 

Einen Liter Benzin hat Sabrina im Stadtverkehr schnell verbraucht. Dieser entspricht 2,4 kg CO2. Sie rechnet: „Kaufe ich zwei Flaschen, dann würde der Transport von der WG zum Getränkeshop und zurück 1,2 kg CO2 pro Flasche betragen.“ Sie greift zum Kasten mit 20 Flaschen. „So sind es immerhin noch 0,12 kg CO2 pro Flasche.“ Kurzerhand wählt sie zwei Kisten Alkoholfreies, eine Kiste Weizen und eine Pilz. „Bleiben 0,03 kg CO2 pro Flasche.“  

4. Milch: Getränkekarton vs. Mehrweg-Glasflasche

Frischmilch gibt es im Supermarkt verpackt vor allem in Getränkekartons und Mehrweg-Glas – meist in der Größe 1-Liter. Die CO2-Emissionen für den Getränkekarton liegen bei 22,4 kg*, und die für Mehrweg-Glas mit 96,1 kg* gut 4-mal so hoch. 
Getränkekartons bestehen zu großen Teilen aus Papierfasern aus zertifiziert nachhaltig bewirtschafteten Wäldern – also aus nachwachsenden Rohstoffen. Bei Glas-Mehrwegflaschen ist die Anzahl der Wiederverwendungen und der vorwiegend regionale Vertrieb entscheidend für die Ökobilanz. Laut FKN (2021) funktioniert das bei Milch aktuell nicht. 
[*CO2-Äquivalente bezogen auf die Verpackung von 1.000 l Milch]

5. Eigene Trinkflasche: Erlaubt ist, was Spaß macht

Juhuuuu, endlich eine Trinkflasche, die uns das ganze Leben begleitet und dann weitervererbt wird? Zumindest solltest du Spaß an deiner Trinkflasche haben und sie lange und viel nutzen. Und schon sparst du dir täglich CO2: Einfach befüllen am Wasserhahn zu Hause, in der Schule oder der Uni. 

Auf Wanderungen oder beim Sport sind Glasflaschen eher weniger geeignet. Sie sind schwer und können brechen. Störst du dich am Geschmack von Edelstahl, Kupfer, Aluminium, Kunststoff, dann könnte aber eine Trinkflasche aus Glas genau die Richtige für dich sein.

Wenn dich die Unterschiede der Trinkflschen aus verschiedenen Materialien interessieren, lass dich durch das Projekt Achtsam am Berg inspirieren. 


Quellen und weiterführende Links

Anmerkung

  • Der CO2-Fußabdruck ist gleichzusetzen mit der Emission der Treibhausgase (THG). Diese werden jeweils in Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalenten pro kg Glas (kg CO2-Äq) angegeben. Diese Äquivalente fassen alle Treibhausgase zusammen und rechnen sie in Kohlendioxid um.

 

Bild: amaurydeterwangne, Pixabay

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